175 Jubiläum Neipperg

Konzert 175 Jahre Gesangverein Eintracht Neipperg e.V. 

von Irmhild Günther

 

 

  Hätte Alfred von Neipperg im März 1840 nicht die Prinzessin Marie von Württemberg geheiratet, wäre vielleicht gar kein authentisches Datum für einen ersten "Sangverein" in Neipperg vorhanden. Der Name Eintracht kam später und auch der Zusammenschluss von Turnern und Sängern. Vaterländisch war man gesinnt und die Lieder waren oft biedermeierlich-romantisch. Carl Friedrich Zelter hatte in Berlin 1809 die Liedertafel  gegründet und überall in Deutschland sangen  Männer. Der Männerchor des TuG Neipperg trat zum Jubiläumsfest in der voll besetzten Mehrzweckhalle als Liedertafel auf und ergänzte diesen historischen Liederstrauß mit großen Kompositionen der Musikgeschichte. Im kleinen Dorf am Heuchelberg wurde so ein klassisches Programm auf die Beine gestellt. Bürgermeister Rolf Kieser dankte allen für das Engagement und die musikalische Komponente in der Gesamtstadt, Vereinsvorstand Bernhard Wurst für das Singen, "die schönste Form, sich auszudrücken". Das wurde in der Tat an diesem Abend vorgeführt.  Ausschließlich der eigene Verein und zwei begabte Solisten leisteten das Gesangliche, wunderbar ergänzt durch das Hornquartett Maulbronn. Die gefühlvollen Klänge der Instrumente ergänzten den Gesang als Begleitung und rein instrumental. So gleich am Anfang stimmungsvoll die einem Menuett von Franz Strauss. Dann ging es gesanglich zu Wolfgang Amadeus Mozart über,  zunächst mit bekannten Passagen aus der "Zauberflöte". Am Klavier begleitet von Uli Keller beschwor die Sopranistin Lilia Urbach den "Schutzgeist alles Schönen" mit starker und ergreifender Stimme als Motto für den ereignisreichen Abend. Die Baritonsoli "Isis und Osiris" und "In diesen Heiligen hallen" sang Michael Winkler. Er ist Mitglied des Männerchores, auf den dieser stolz ist wie  Abteilungsleiter Gesang, Helmut Maichle, in seiner durch das gesamte Programm gehenden Moderation mit Dank an ihn betonte. Seit Jahrzehnten begeistert Winkler das Publikum und seine Stimme hat nach wie vor das tiefe Volumen. In der sogenannten Freimaurerkantate kam die Solistin noch einmal großartig zur Geltung. Reizvoll war wieder der Wechsel zum Hornquartett. Unter der Leitung von Oliver Storch spielten Ditmar Kappus, Alexander Dauth und Achim Strobel einen Marsch des Österreichers Anton Wunderer ("Johann Strauß des Hornquartetts"), "Fippery Nr. 2" des Amerikaners Lowell Shaw rhythmisch und tänzerisch und schließlich Herz und Sinn ergreifend das Spirituel "Halleluja" von Leonhard Cohen. Die begabten Instrumentalisten waren auch in den Jägerchören aus zwei Weber-Opern zu hören. Da konnte man den Grafen Alfred von Neipperg durch die Wälder des Heuchelberges buchstäblich jagen und reiten sehen. Aber nicht nur das Idyll wurde gesanglich perfekt vorgeführt. In der "Landerkennung von Edvard Grieg öffneten sich für die Zuhörer die weiten Weltmeere bei der Fahrt des norwegischen Königs Olav Trygvason über das Meer vor mehr als tausend Jahren. Der Chorsatz ist festes Repertoire der Eintracht und war wieder dramatisch von Dirigent Günter Geiger einstudiert worden. Über 30 Männer und eine Frau: noch einmal drei Soli, gesungen von Lilia Urbach. Besonders stark  das zum Schlager gewordene Lied "Santa Lucia" von Theodoro Cottrau aus dem 19. Jahrhundert. Und dort blieb man dann zeitlich. Der Chor kam im Habit der Liedertafel auf die Bühne und sang die Lieder der Gründerzeit einfühlsam und hochmusikalisch. Besonders erwähnt sei "Im Abendrot" von Franz Schubert: "Oh wie schön ist Deine Welt, Vater, wenn sie golden strahlet..." Es musste eine Zugabe sein. Die "Abendglocken" läuteten das Ende der Feier ein. 

 

Ehrungen ·         Der Präsident des Zabergäu-Sängerbundes, Werner Treuer, lobte das "Fest, bei dem 175 Jahre herausragende kulturelle Leistungen gefeiert werden" und drückte den Wunsch aus: "Möge die Liebe zum Lied und zur Gemeinschaft auch in Zukunft erhalten bleiben."                 Ausgezeichnet mit dem Ehrentitel wurde Günter Geiger für 30 Jahre Dirigentenzeit.·         Es erhielten für 40 Jahre Singen Karl Hentschel, Egon Kräter, Helmut Maichle und Michael Winkler die Silberne Ehrennadel mit Urkunde vom Schwäbischen Sängerbund, für 50 Jahre Wilhelm Brahner  und Paul Walter und schließlich für 60 Jahre Singen Otto Hönnige und Otto Lang  alle vier die Goldene Ehrennadel mit Urkunde vom Deutschen Chorverband.      Treuer zählte 380 Jahre aktives Singen zusammen und sprach den acht Männern seine persönliche Hochachtung aus.            

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